Wenn dein Hund nach der Trennung verändert wirkt, ist das zunächst eine Beobachtung und noch keine Erklärung. Viele Hunde folgen dann auf Schritt und Tritt, fressen schlechter, schlafen unruhig oder ziehen sich zurück. Abläufe, Bezugspersonen und die Stimmung im Alltag haben sich verschoben, und dein Hund sucht neue Orientierung. Ob noch etwas anderes dahintersteckt, etwa eine körperliche Ursache, lässt sich allein aus dem Zeitpunkt nicht ablesen.
Ich habe zwei Koffer gepackt, zwei Hunde genommen und bin gegangen. Ohne Wohnung, ohne Job, ohne Geld, ohne Perspektive. Mal wieder.
Was ich in den ersten Wochen bei meinen Hunden gesehen habe, kannte ich so nicht. Beide sind mir auf Schritt und Tritt gefolgt, bis ins Bad. Alleinbleiben ging auf einmal nicht mehr. Lotte ist bei jedem Geräusch hochgefahren. Pippa hat abgenommen, obwohl ihr Napf leer war.
Ich habe damals zuerst bei ihnen gesucht. Das war der falsche Ort. Aber es war der einzige, an dem ich zu suchen bereit war.
Woran du merkst, dass sich dein Hund nach der Trennung verändert hat
Diese Veränderungen fallen vielen Frauen nach einer Trennung auf. Sie treten selten alle zusammen auf. Meist sind es zwei oder drei.
- Der Hund folgt von Raum zu Raum, auch ins Bad.
- Er frisst langsamer, unregelmäßiger oder lässt Mahlzeiten stehen.
- Er liegt nachts anders. Er wechselt den Platz, steht auf, legt sich wieder hin.
- Er bleibt schlechter allein als vorher.
- Er begrüßt überschwänglicher als früher, oder er bleibt liegen und schaut nur kurz.
- Er reagiert am Abend anders als am Morgen.
- Er wirkt auf Spaziergängen unruhiger oder schneller erschöpft.
Mehrere Veränderungen gleichzeitig verdienen einen genaueren Blick. Oft hat sich in eurem Alltag etwas verschoben. Ob zusätzlich eine tierärztliche Untersuchung oder eine Verhaltensberatung sinnvoll ist, hängt davon ab, was genau du beobachtest und wie es sich entwickelt.
Warum dein Hund reagiert, auch ohne die Trennung zu verstehen
Dass eine Beziehung zu Ende gegangen ist, kann dein Hund vermutlich nicht einordnen. Wie er die neue Situation erlebt, können wir nicht unmittelbar wissen. Was sich beobachten lässt, ist etwas anderes.
Wenn ein Hund eine Situation nicht einschätzen kann, schaut er oft zu seinem Menschen. In einer Studie der Universität Mailand begegneten 75 Hunde einem Ventilator, an dem Plastikbänder flatterten. Die meisten Hunde blickten danach zu ihrem Menschen, als würden sie dort nachlesen, wie die Lage einzuschätzen ist (Merola und Kolleginnen, 2012). In einem weiteren Versuch desselben Teams richteten die Hunde ihr Verhalten vor allem dann nach dem Menschen aus, wenn es ihre eigene Bezugsperson war und nicht eine fremde Person.
Nach einer Trennung trifft dein Hund also auf mehrere Dinge gleichzeitig. Eine Person aus seinem Alltag ist weg. Die Uhrzeiten haben sich verschoben. Vielleicht ist die Wohnung eine andere. Und die eine Person, an der er sich normalerweise orientiert, ist selbst gerade nicht in ihrer üblichen Verfassung.
Er versteht wahrscheinlich nichts davon. Aber er merkt, dass sich sein Alltag verändert hat.

Dein eigener Zustand gehört dazu. Das ist keine Schuld.
An dieser Stelle machen viele Texte einen Sprung, der nicht stimmt. Sie behaupten, der Hund übernehme einfach den Stress seines Menschen. So einfach ist es nicht.
Eine schwedische Studie hat bei 58 Frauen und ihren Hunden das Stresshormon Cortisol im Haar gemessen. Das Haar speichert, wie hoch der Wert über mehrere Monate war. Frauen mit höheren Werten hatten eher Hunde mit höheren Werten (Sundman und Kolleginnen, 2019). Untersucht wurden allerdings nur zwei Hunderassen, und die Studie zeigt einen Zusammenhang, keine Ursache.
Es geht also um lange Zeiträume, nicht um den einzelnen Nachmittag. Dein schlechter Dienstag ist nicht die Erklärung für das Verhalten deines Hundes. Ein halbes Jahr, in dem du nur funktioniert hast, ist eine andere Größenordnung.
Daraus folgt kein Vorwurf. Daraus folgt nur, dass es wenig bringt, ausschließlich auf den Hund zu schauen. Und genauso wenig, ausschließlich auf dich.
Warum die Schuldfrage in die Irre führt
Fast jede Frau, deren Hund nach der Trennung verändert wirkt, landet irgendwann bei diesem Satz: Er kann doch nichts dafür. Und gleich danach bei der Frage, ob sie selbst etwas falsch gemacht hat.
Dazu gibt es Befunde, die entlasten. Die Hundeforscherin Alexandra Horowitz hat den sogenannten Schuldblick untersucht. Er zeigte sich vor allem dann, wenn geschimpft wurde, und besonders deutlich bei Hunden, die gar nichts angestellt hatten (Horowitz, 2009). In einer späteren Studie sollten 96 Halterinnen und Halter an der Begrüßung erkennen, ob ihr Hund verbotenes Futter gefressen hatte. Ihre Trefferquote war nicht besser als Raten (Ostojić und Kolleginnen, 2015).
Der Blick deines Hundes ist also eher eine Reaktion auf deinen Ausdruck im Moment als ein Vorwurf.
Die Frage „Bin ich schuld?“ führt deshalb an eine Wand. Die Frage, die weiterführt, lautet: Was hat sich in unserem gemeinsamen Leben verändert, und seit wann?
Was in den ersten Wochen tatsächlich hilft
Kein Training. Vier Handgriffe.
1. Schreib drei Zeitpunkte auf. Nicht den ganzen Tag. Nur die drei Momente, an denen es regelmäßig kippt, mit Uhrzeit. Morgens vor der Arbeit. Wenn du nach Hause kommst. Abends um halb zehn. Eine Woche lang. Du wirst Muster sehen, die du im Kopf nicht siehst.
2. Schreib abends drei Zeilen. Wie war es heute bei dir. Was hast du heute bei deinem Hund gesehen. Wann genau. Mehr nicht. Nach zwei Wochen legst du die Zeilen nebeneinander und schaust, an welchen Tagen in beiden Zeilen etwas steht.
3. Setz drei feste Punkte in deinen Tag. Nicht in seinen. In deinen. Eine Uhrzeit zum Aufstehen, eine für den langen Spaziergang, eine für den Feierabend. Hunde sind Gewohnheitstiere, und du bist es gerade auch. Drei Punkte halten. Zwölf halten nicht.
4. Zwei Minuten nebeneinander, jeden Tag zur selben Zeit. Du sitzt, eine Hand liegt auf ihm, du atmest. Kein Kommando, keine Übung, keine Erwartung an ihn. Nur zwei Minuten, in denen keiner von euch etwas leisten muss.
Das klingt klein. Es ist klein. Nach einer Trennung ist klein oft das Einzige, was durchhält.
Wann fachliche Abklärung wichtig ist
Wenn dein Hund nach der Trennung verändert ist und zusätzlich plötzlich unsauber wird, deutlich abnimmt, sich wundleckt oder stark hechelt, gehört das zuerst zum Tierarzt. Verhaltensänderungen können körperliche Ursachen haben, und die schließt man aus, bevor man alles auf die Lebenssituation schiebt.
Wenn dein Hund in deiner Abwesenheit in Panik gerät, ist das ein eigenes Thema mit eigenem Vorgehen. Dafür gibt es qualifizierte Verhaltensberaterinnen, und das ist nicht meine Arbeit.
Ich arbeite nicht therapeutisch und stelle keine Diagnosen. Wenn ich merke, dass hinter dem, was du mitbringst, etwas liegt, das fachliche Begleitung braucht, sage ich dir das offen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis sich mein Hund an die neue Situation gewöhnt hat? Dafür gibt es keine verlässliche Zahl, und jede, die dir jemand nennt, ist geraten. Was sich beobachten lässt: Neue Abläufe brauchen Wochen, nicht Tage. Solange der Alltag selbst noch wackelt, wackelt auch der Hund. Stabile Uhrzeiten wirken meist früher als alles andere.
Soll mein Hund den Ex-Partner weiter sehen? Das hängt davon ab, wie die Übergaben ablaufen und wie es dir danach geht. Beobachte nicht nur ihn, sondern auch dich an diesen Tagen. Wenn du vor jeder Übergabe angespannt bist, gehört das mit zum Bild.
Ist mein Hund traurig oder hat er Trennungsangst? Das sind zwei verschiedene Dinge. Trennungsangst bedeutet, dass ein Hund in Panik gerät, wenn er allein ist, und sie hat oft eine längere Vorgeschichte. Eine Veränderung nach einer Trennung betrifft meist den gesamten Alltag, nicht nur das Alleinsein. Wenn dein Hund in deiner Abwesenheit in Not gerät, brauchst du eine Verhaltensberaterin.
Bin ich schuld, dass sich mein Hund verändert hat? Nein. Dein Hund reagiert auf einen veränderten Alltag, und du steckst selbst mitten in dieser Veränderung. Studien zeigen Zusammenhänge über längere Zeiträume, keine Ursache und Wirkung an einem einzelnen Tag. Schuldgefühle machen die Sache schwerer und ändern nichts.
Hilft ein Hundetrainer? Qualifizierte Hundetrainer und Verhaltensberaterinnen auf der einen Seite und eine persönliche Begleitung wie meine auf der anderen haben unterschiedliche Aufgaben. Bei konkretem Verhalten wie Leinenführigkeit oder Alleinbleiben sind Trainer die richtige Adresse. Wenn sich nach der Trennung euer ganzes Miteinander anders anfühlt, lohnt sich zusätzlich der Blick auf dich und euren Alltag.
Wie es weitergeht
Wenn du beim Lesen an zwei oder drei Stellen genickt hast, fang mit den drei Zeilen am Abend an. Zwei Wochen reichen, um etwas zu sehen.
Wenn dein Hund nach der Trennung verändert ist und du genauer hinschauen möchtest, hilft dir mein kostenloser 7-Fragen-Selbstcheck „Dein Hund ist seit der Trennung anders?“. Damit sortierst du in Ruhe, was du bei deinem Hund beobachtest, was sich in eurem Alltag verändert hat und was dich selbst beschäftigt. Du kannst ihn ausdrucken und neben den Napf legen.
Und weil nach einer Trennung nicht nur dein Hund neu ankommen muss, sondern auch du: In meinem Artikel Wie finde ich nach einer Trennung wieder zu mir selbst? geht es um deinen eigenen Weg.
Ich bin Barbara Junker. Mit Raum & Ordnung begleite ich Frauen ab 40, die nach einer Trennung allein mit ihrem Hund leben, zu einem Alltag, der beide trägt. Ohne Hundetraining und ohne Schuldfrage. Wie das aussieht, liest du bei meiner 12-Wochen-Begleitung.
Quellen
- Merola, I., Prato-Previde, E. & Marshall-Pescini, S. (2012): Social referencing in dog-owner dyads? Animal Cognition 15, 175–185. doi.org/10.1007/s10071-011-0443-0
- Sundman, A.-S. et al. (2019): Long-term stress levels are synchronized in dogs and their owners. Scientific Reports 9, 7391. doi.org/10.1038/s41598-019-43851-x
- Horowitz, A. (2009): Disambiguating the „guilty look“: Salient prompts to a familiar dog behaviour. Behavioural Processes 81, 447–452. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19520245
- Ostojić, L., Tkalčić, M. & Clayton, N. S. (2015): Are owners‘ reports of their dogs‘ „guilty look“ influenced by the dogs‘ action and evidence of the misdeed? Behavioural Processes 111, 97–100. pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4310318

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